Type something to search...

Online-Plattform

Eine Online-Plattform ist ein Hosting-Dienst, der auf Anfrage von Nutzern Informationen speichert und öffentlich verbreitet. Beispiele hierfür sind soziale Netzwerke, Video-Sharing-Websites, Online-Marktplätze und App-Stores. Nach EU-Recht haben Online-Plattformen spezifische Transparenz- und Moderationspflichten, insbesondere wenn sie politische Werbung ermöglichen.

Rechtsgrundlage

„Online-Plattform" bezeichnet einen Anbieter eines Hosting-Dienstes, der auf Anfrage eines Empfängers der Dienstleistung Informationen speichert und öffentlich verbreitet; ausgenommen sind Dienste, bei denen die öffentliche Verbreitung ein geringfügiges und rein untergeordnetes Merkmal ist, das untrennbar mit einer anderen Dienstleistung verbunden ist.

— Artikel 3 Buchstabe j, Verordnung (EU) 2022/2065 (Gesetz über digitale Dienste)

Das Gesetz über digitale Dienste (DSA) legt diese Definition fest, die auch im Zusammenhang mit der Verordnung über politische Werbung (EU 2024/900) gilt.

Warum es wichtig ist

Online-Plattformen sind zentral für die Verbreitung politischer Werbung in der EU. Wenn eine Plattform politische Werbung veröffentlicht – sei es durch bezahlte Beiträge, gesponserte Inhalte oder beworbene Nachrichten – wird sie zu einem Herausgeber von Dienstleistungen für politische Werbung gemäß der Verordnung 2024/900. Dies löst Transparenzpflichten aus, einschließlich der klaren Kennzeichnung von Werbung, der Bereitstellung von Transparenzhinweisen und der Aufrechterhaltung zugänglicher Meldekanäle für mögliche Verstöße.

Für Plattformen, die politische Werbung hosten, verlangt die Verordnung, dass Nutzer politische Inhalte leicht identifizieren, verstehen können, wer dafür bezahlt hat, und fehlende oder falsche Kennzeichnungen melden können. Sehr große Online-Plattformen (VLOPs) mit über 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU unterliegen zusätzlichen Verpflichtungen nach dem DSA, einschließlich systemischer Risikobewertungen für Wahlverfahren und verstärkter Inhaltsmoderation während Wahlperioden.

Die Rolle der Plattform ist entscheidend: Sie bestimmt, welche Inhalte die Bürger erreichen, wie sie eingestuft und empfohlen werden und ob Nutzer politische Überzeugungsarbeit von organischen Inhalten unterscheiden können. Diese Gatekeeper-Funktionen machen Transparenzregeln für faire Wahlen und informierte demokratische Teilhabe unerlässlich.

Wichtige Punkte

  • Online-Plattformen speichern und verbreiten nutzergenerierte Informationen öffentlich und unterscheiden sich damit von einfachen Hosting-Anbietern oder Telekommunikationsdiensten
  • Herausgeber politischer Werbung müssen sicherstellen, dass Werbung klar gekennzeichnet ist und Transparenzinformationen (Sponsor, Reichweite, Targeting-Kriterien) für Nutzer zugänglich bereitgestellt werden
  • Meldekanäle für fehlende oder falsche Kennzeichnungen müssen kostenlos und für jeden Nutzer oder jede betroffene Partei leicht zugänglich sein
  • DSA-Verpflichtungen gelten für alle Online-Plattformen, mit strengeren Regeln für sehr große Plattformen während Wahlperioden
  • Grenzüberschreitende Bereitstellung bedeutet, dass Plattformen mit Sitz außerhalb der EU erfasst werden, wenn sie Dienstleistungen für EU-Nutzer anbieten
  • Nicht jeder Dienst qualifiziert sich: Kommentarbereiche in Zeitungen oder rein untergeordnete Funktionen können ausgeschlossen sein, wenn die Verbreitung geringfügig und untrennbar mit einer anderen Dienstleistung verbunden ist

Online-Plattform vs. Hosting-Dienst

Alle Online-Plattformen sind Hosting-Dienste, aber nicht alle Hosting-Dienste sind Online-Plattformen. Der wesentliche Unterschied ist die öffentliche Verbreitung: Eine Online-Plattform verbreitet gespeicherte Informationen aktiv an die Öffentlichkeit, während ein einfacher Hosting-Dienst lediglich Daten speichert, ohne sie öffentlich zugänglich zu machen.

Beispielsweise ist Cloud-Speicher für private Dokumente ein Hosting-Dienst, aber keine Plattform. Ein soziales Netzwerk, in dem Nutzer für andere sichtbare Inhalte veröffentlichen, ist eine Online-Plattform. Diese Unterscheidung ist wichtig, da Online-Plattformen Transparenzpflichten für politische Werbung haben, während reine Hosting-Anbieter dies in der Regel nicht tun.

Vergleichstabelle:

Merkmal Online-Plattform Nur Hosting-Dienst
Öffentliche Verbreitung Ja, aktiv ermöglicht Nein, oder rein untergeordnet
Kennzeichnung politischer Werbung erforderlich Ja, bei Veröffentlichung von Werbung Grundsätzlich nein
Nutzerseitige Transparenz Erforderlich nach DSA Begrenzte Verpflichtungen
Beispiele Facebook, YouTube, X (Twitter) Cloud-Speicher, privates Datei-Hosting

Verwandte Begriffe

Online-Plattform: Core Facts

Status
Active Definition
Verified
2026-03-07

Related

Durch die Anforderung einer klaren Kennzeichnung und zugänglicher Transparenzinformationen hilft die TTPA den Menschen, politische Werbung zu erkennen und zu verstehen, wer versucht, sie zu beeinflussen.
Ja. Als EU-Verordnung ist die TTPA unmittelbar in allen Mitgliedstaaten anwendbar, ohne dass eine nationale Umsetzung erforderlich ist. Die Mitgliedstaaten müssen lediglich Behörden benennen und Sanktionen festlegen.
Transparenzanforderungen stellen sicher, dass alle politischen Akteure nach denselben Regeln agieren. Wähler können sehen, wer über Ressourcen verfügt und wie diese eingesetzt werden, was einen fairen Wettbewerb unterstützt.
Transparenz schafft Vertrauen, indem sie den Wählern zeigt, dass politische Akteure offen arbeiten. Versteckte Finanzierung oder Targeting untergräbt das Vertrauen in demokratische Prozesse.
Politische Werbung umfasst jede bezahlte Nachricht, die einen politischen Akteur bewirbt, das Wahlverhalten beeinflusst, das Ergebnis von Wahlen oder Referenden beeinflusst oder legislative oder regulatorische Prozesse beeinflusst. Sie umfasst auch jede Werbung durch oder im Namen eines politischen Akteurs.
Nein. Die TTPA berührt nicht die nationalen Vorschriften über den Inhalt politischer Werbung, Wahlkampffinanzierung, Wahlzeiträume oder allgemeine Verbote politischer Werbung. Sie fügt Transparenzanforderungen zusätzlich zu den bestehenden nationalen Rechtsvorschriften hinzu.
Der offizielle Name lautet Verordnung (EU) 2024/900 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Transparenz und das Targeting politischer Werbung. Sie wurde am 20. März 2024 veröffentlicht.
Ja. Die TTPA erfasst sämtliche politische Werbung, sowohl online als auch offline, einschließlich Print, Plakatwerbung, TV, Radio und digitaler Kanäle. Die Vorschriften zur Zielgruppenansprache in Kapitel III gelten ausschließlich für Online-Werbung.